Collage aus einem Foto der Autostadt-Parkanlage und illustrierten Elementen: einem Vogel, einem Schmetterling, einer Regenwolke.

Vielfältig nachhaltig: Urbane Biotope

Die Natur zieht sich zurück, doch in der Park- und Lagunenlandschaft der Autostadt ist die Arbeit in vollem Gange. Gartenlabor und Sonnengarten werden als urbane Biotope zur „Partymeile“ für Flora und Fauna.

TEXT: ALEXANDRA SCHRÖDER, CHRISTIAN OTTO
07.12.2021

Die Park- und Lagunenlandschaft der Autostadt verändert sich täglich. Besonderes Augenmerk sollten Besucherinnen und Besucher auf das Gartenlabor und den Sonnengarten legen, denn dort tut sich viel Neues.

Gartenlabor – Testfeld für den Park
400 Quadratmeter Fläche umfasst das Gartenlabor auf der Turmwiese. Es dient tatsächlich als eine Art grünes Labor, denn hier wird mit Bio-Saatgutmischungen experimentiert. Was sich bewährt, kann auch in anderen Teilen der Parklandschaft zum Einsatz kommen. Das Gelände, das einst als Schulgarten genutzt wurde, wird derzeit mit Blick auf Nachhaltigkeit und Biodiversität grundlegend neugestaltet. Dabei folgt das wild wirkende Labor einem klaren Konzept. Die Blumenwiesen benötigen weniger Wasser, keine Düngung und werden nur zweimal jährlich gemäht. Somit werden was Wasser und CO2 eingespart.

400 m2

Fläche umfasst das Gartenlabor auf der Turmwiese, das unter anderem als Testfeld für Bio-Saatgutmischungen dient.



Zudem dienen die Blumenwiesen als ganzjähriger Nahrungsspeicher für Vögel und Insekten. „Eine der Saatgutmischungen ist beispielsweise speziell für Vögel wie Grünfinken, Stieglitze, Hänflinge und Buchfinken konzipiert. Sie besteht aus Blumensorten, die nach dem Verblühen üppige Samenbestände ausbilden, etwa Sonnenblume, Lein, Hirse, Buchweizen, Sorghum oder Kosmee. Sie stelle im Herbst und Winter, wenn für die Vögel karge Zeiten anbrechen, eine wichtige Nahrungsquelle dar“, erklärt Anja Hilmer-Struß vom Infrastrukturmanagement der Autostadt. „Die Pflanzen dieser Mischung, die im Winter stehen gelassen werden, sind für Körnerfresser mit ihren kurzen, kräftigen Schnäbeln eine willkommene Delikatesse.“

Die Blumenwiese wird erst ganz am Ende des Winters gemäht und im folgenden Frühjahr wieder ausgesät. Die Expertin für Nachhaltigkeit geht davon aus, dass die Besucherinnen und Besucher der Autostadt die Vögel bei ihren zahllosen Hin- und Rückflügen zwischen Futterwiese und sicherem Unterschlupf gut beobachten können.

Sonnengarten – Labyrinth zum Flanieren
Mit dem Sonnengarten entsteht in der Nähe des beliebten Dufttunnels ein weiteres urbanes Biotop in der Autostadt. Auch hier wird aufgrund der selbstregulierenden Dynamik des Gartens wenig menschliche Hilfe nötig sein. Ab 2022 sollen in der kreisförmigen, begehbaren Anlage in erster Linie „heimische Exoten“ wachsen – also Pflanzensorten, die vor sehr langer Zeit durch menschliches Zutun eingewandert sind und daher mittlerweile als Per Definitionem gelten. Der Fachbegriff für diese Pflanzen lautet „Neobiota“. Sie haben eine oftmals lange Geschichte der Zuwanderung hinter sich, die eng mit den Migrationsbewegungen des Menschen verbunden ist. Beispiele solcher Nutzpflanzen wie Kartoffel oder Tomate sind geläufig, weniger bekannt ist jedoch, dass auch viele längst lieb gewonnene Zier- und Blütenpflanzen wie Aster oder Sonnenblume sprichwörtlich fremde Wurzeln haben.

Der labyrinthartige Sonnengarten macht die jahreszeitlichen Veränderungen in der Natur nachvollziehbar. Während etwa Windröschen und Narzissen das Frühjahr bestimmen, zeigen sich im Sommer verschiedene Arten Sonnenhut und vielblühende Stauden in all ihrer Pracht. Im Herbst ziehen Asternarten die Blicke auf sich und im Winter kommt die Zeit der Gräser wie etwa Federgras und Goldrute. So wird der Sonnengarten zum bunten und ganzjährigen Hingucker.

Bunt, wild und vielfältig: Flora trifft Fauna

Pflanzen wie Dill und Echter Kerbel werden von den Raupen des Schwalbenschwanzes als Wirtspflanzen bevorzugt. Andere Pflanzen ziehen mit ihrem Nektar ausgewachsene Schmetterlinge an.

Eine Auswahl ein- und mehrjähriger Honigblüten, die reichlich Nektar produzieren, lockt insbesondere Honigbienen an.

Grünfinken, Stieglitze, Hänflinge und Buchfinken finden im Herbst und Winter Nahrung dank jener Pflanzenarten, die nach dem Verblühen üppige Samenbestände ausbilden – etwa Sonnenblume, Lein, Hirse, Buchweizen, Sorghum und Kosmee.

Eine Mischung von Feldblumen und mehrjährigen Blumen zieht Nützlinge wie Schwebfliegen an. Deren Larven vertilgen während ihres zehntägigen Larvenstadiums zwischen 400 und 500 Blattläuse täglich.