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Alles hängt von uns­er­en Ent­schei­dung­en ab

Im Kampf gegen soziale Ungleichheit und Umweltverschmutzung setzt der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus auf eine neue Form des Wirtschaftens. Das „Social Business“ geht davon aus, dass der Mensch nicht allein auf Eigennutz ausgerichtet, sondern mindestens ebenso ein zutiefst soziales, am Gemeinwohl orientiertes Wesen ist.

Text: Johannes Winterhagen
Foto: Matthias Haslauer

Sie fordern generell eine andere Art des Wirtschaftens. Warum?

Muhammad Yunus Die Akkumulation von Reichtum ist ein ernstes Problem, das die Gesellschaften in aller Welt herausfordert. Die Verteilung des Wohlstandes ist absolut asymmetrisch: 99 Prozent des Besitzes sind in den Händen von nur einem Prozent der Weltbevölkerung. Wir sprechen von Besitz- und Einkommensverteilung, aber es gibt gar keine Verteilung, sondern nur Konzentration. Das ist aber gar nicht der schlimmste Teil des Problems. Der besteht darin, dass die Ungleichheit mit jedem Tag zunimmt. Der Zuwachs bewegt sich dorthin, wo bereits Wohlstand herrscht.

Wie kann Social Business funktionieren?

MY Es funktioniert, weil es den Herzen der Menschen entspricht. Jeder Mensch hat zwei Dimensionen: Eine egoistische und eine selbstlose. Jeder Mensch besitzt diese zwei Seiten, auch wenn uns die ökonomische Theorie in der Vergangenheit gelehrt hat, dass wir alle nur egoistisch handeln. Aber es gibt auch die Seite des selbstlosen Wirtschaftens, des „Social Business“. Es hat in der Geschäftswelt noch nicht Fuß gefasst, einfach weil es nicht erlaubt wurde. In dem Moment, in dem man Social Business erlaubt, wird es Realität werden. Alles hängt von unseren Entscheidungen ab.

Aber die meisten Menschen haben diese Wahl doch gar nicht, denn die wird von den Eigentümern der Unternehmen getroffen.

MY Auch wer angestellt ist, hat die Wahl: Will man für eine egoistisch agierende Firma arbeiten oder für eine selbstlos handelnde? Will man Teil der Lösung oder Teil des Problems sein? Darin besteht die Entscheidung, die jeder Einzelne treffen muss.

Dennoch setzen Sie auch beim Social Business auf den Unternehmergeist.

MY Den Menschen wird beigebracht, dass sie für andere arbeiten müssen. Das ist aber falsch! Wir sind nicht geboren, um für jemand anderen zu arbeiten. Wir sind unabhängig. Wir sind dazu in der Lage, Dinge zu unternehmen. Erst in den letzten Jahrhunderten entstand die Idee, dass wir für Löhne und Gehälter arbeiten müssen.

Sie sind sehr optimistisch. Woher stammt diese positive Grundhaltung?

MY Ich traue den Menschen zu, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen. Die ökonomische Theorie setzt uns eine Brille auf, durch die wir die Welt mit Dollarzeichen wahrnehmen. Aber so sehen wir die Welt nicht so, wie sie wirklich ist. Wir sollten mindestens eines der Brillengläser austauschen und neben dem Dollarzeichen die Menschen wahrnehmen. So etwas lässt sich nicht erzwingen, doch der klare Blick auf die Welt lässt sich lernen.

Auf dem neunten Global Social Business Summit hielt Prof. Dr. Muhammad Yunus in der Autostadt am 9. November 2018 die Keynote-Rede. Die Konferenz veranstalteten Yunus Centre und das Grameen Creative Lab in Partnerschaft mit der Volkswagen AG und der Autostadt in Wolfsburg.

Prof. Dr. Muhammad Yunus, Jahrgang 1940, erhielt im Jahr 2006 den Friedensnobelpreis. Seine Idee: den Ärmsten der Armen mit Mikrokrediten zu helfen, eine eigene Existenz aufzubauen. Dazu gründete er 1983 die Grameen Bank, das erste Mikrofinanzinstitut der Welt. Die erste von ihm einberufene Social Business-Konferenz tagte im Jahr 2009 in der Autostadt.

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