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Grafite

„Das ist einfach meine Art“

Brasilien, Frankreich, Deutschland, Vereinigte Arabische Emirate, Katar und zurück nach Brasilien: Seine Qualitäten als Fußballer haben Grafite (40) zum Weltenbummler gemacht. Als Höhepunkt seiner Karriere gilt bis heute die Zeit in Wolfsburg. Der Brasilianer, der eigentlich Edinaldo Batista Libânio heißt und doch stets Grafite genannt wird, hat vier Jahre lang für den VfL Wolfsburg gespielt. Der Torjäger ist mit dem Verein 2009 deutscher Meister geworden. Bis heute ist Grafite mit Wolfsburg eng verbunden. Im Interview mit AUTO STADT & LEBEN verrät er, warum.

Text: Christian Otto
Fotografie: Konstantin Eckert

Weltweit und ausnahmslos: Sie werden immer mit offenen Armen empfangen. Warum?

GRAFITE Ich spreche gerne mit den Menschen. Ob ich nun mit dem Vorstandschef des Volkswagen Konzerns oder mit einem ganz normalen Arbeiter rede: Ich behandle jeden meiner Gesprächspartner gleich. Auch zu der Zeit, als ich in Deutschland und Brasilien ein sehr bekannter Fußballprofi war, habe ich mich immer gerne mit den Leuten auf der Straße unterhalten. Sie kommen auf mich zu und sagen: „Grafite, bleib so normal, wie du bist.“ Das ist einfach meine Art. Egal, in welchen Ländern ich gelebt habe: Auch nach meinem Abschied waren die Türen immer offen für mich.

Kehren Sie nach Wolfsburg besonders gerne zurück?

GRAFITE Obwohl mein großer Triumph mit dem VfL Wolfsburg schon zehn Jahre zurückliegt: Ich fühle mich immer sehr gut, wenn ich wieder in der Stadt bin. Als Fußballprofi bin ich an den freien Sonntagen oft mit meiner Familie in der Autostadt gewesen. Wir haben hier gegessen, uns entspannt und die Pavillons angesehen. Das sind für mich bis heute sehr schöne Erinnerungen, weil ich immer und überall unglaublich freundlich begrüßt werde. Ich kann die Liebe der Fans und der Menschen in Wolfsburg immer noch spüren. Es fühlt sich für mich an, als ich wäre ich immer noch ein Teil dieser Stadt.

Hat Ihre Liebe zur Stadt auch mit Ihrer Vorliebe für besondere Autos zu tun?

GRAFITE Ich liebe sportliche und große Autos. Wenn die Straße frei ist und ich alleine fahre, mag ich die Geschwindigkeit auf den deutschen Autobahnen. Aber in meiner Heimat in Brasilien, wenn ich mit der Familie unterwegs bin, fahre ich natürlich vorsichtiger. Insgesamt gilt: Wir alle sollten auf unseren Planeten aufpassen. Ich habe in Brasilien bereits ein Auto mit Hybridantrieb getestet. Das fühlt sich sehr gut an. Ich verfolge die Entwicklung in Richtung E-Mobilität sehr aufmerksam. Sobald sich die Technik in Deutschland durchgesetzt hat, wird sich das Thema E-Mobilität einige Jahre später auch in Brasilien etablieren.

Wie hat es sich angefühlt, als Teilnehmer an einer Rallye vor der Autostadt vorzufahren?

GRAFITE Die Rallye Hamburg-Berlin-Klassik war ein großartiges Erlebnis für mich. Obwohl ich es nicht gewohnt bin, in einem Auto mit Handschaltung zu fahren: Ich habe unsere Fahrten sehr genossen. Es hat sich sehr gut angefühlt, einen Teil von Deutschland zu sehen, den ich noch nie gesehen habe. Die Aussicht war herrlich.

„Ich kann die Liebe der Fans und der Menschen in Wolfsburg immer noch spüren. Es fühlt sich für mich an, als ich wäre ich immer noch ein Teil dieser Stadt.“

GRAFITE
DEUTSCHER FUSSBALL-MEISTER 2009

Grafite und Roland Clement

Gemeinsam im Sambabus auf der Rallye Hamburg-Berlin-Klassik: Fußball-Idol Grafite (links) und Autostadt-Geschäftsführer Roland Clement

Und wie fährt es sich in einem Volkswagen Typ 2 „Sambabus“ von 1966?

GRAFITE Der Sambabus ist ein tolles Auto. Wenn man einen solchen Wagen mit Handschaltung fährt, lässt sich die Kraft des Motors viel besser spüren. In Brasilien fahren die meisten Menschen mit einer automatischen Schaltung. Die Erlebnisse während der Rallye haben meine Meinung ein wenig geändert. Wenn ich zurück in Brasilien bin, möchte ich wieder häufiger mit Handschaltung fahren.

Wie genießen Sie Ihr Leben nach der erfolgreichen Fußballkarriere?

GRAFITE Ich trete als Fußballexperte in einer brasilianischen Fernsehsendung auf. Ebenfalls kommentiere ich auch Spiele. Darauf sprechen mich sehr viele Menschen an. Vielleicht kehre ich aber auch eines Tages in das Profigeschäft zurück. Ich bekomme immer wieder mal Anfragen von Vereinen, ob ich nicht ihr Sportdirektor sein möchte. Aber im Moment geht es mir sehr gut, weil ich viel Zeit mit meiner Familie und den Kindern verbringe. Viele Leute glauben ja, dass man als Fußballprofi ein sehr gutes Leben führt. Das ist einerseits auch so. Aber man darf andererseits eben auch nicht vergessen, dass man viel unterwegs und seltener zu Hause ist. Mein jüngster Sohn ist drei Jahre alt. Bei ihm habe ich jetzt die Chance, die Zeit in der Schule hautnah mitzuerleben. Nah bei der Familie zu sein, das fühlt sich für mich sehr gut an.

Edinaldo Batista Libânio, genannt Grafite, wurde 1979 in Campo Limpo Paulista im brasilianischen Bundesstaat São Paulo geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Mit 20 Jahren unterschrieb er 1999 seinen ersten Profivertrag bei der SE Matonense in Matão, einer Kleinstadt rund 150 Kilometer nordwestlich von São Paulo. Sein Weg nach Europa führte ihn 2006 zunächst zum französischen Erstligisten Le Mans UC, bevor er ein Jahr später zum VfL Wolfsburg wechselte. Am 23. Mai 2009 wurde Grafite mit den Wölfen deutscher Meister, sicherte sich mit 28 Toren die Torjägerkrone und wurde Fußballer des Jahres. Zusammen mit Edin Džeko bildete er zudem das beste Sturmduo der Bundesligageschichte: Die beiden Angreifer übertrafen mit 54 Toren den bis dato Torschützenrekord von Gerd Müller und Uli Hoeneß. 2011 verließ Grafite den VfL und kehrte nach Stationen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar 2015 in sein Heimatland Brasilien zurück, wo er 2018 seine Karriere beendete. Grafite ist verheiratet und hat fünf Kinder.

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