DE DE
Start Stories

„Es ist ein Geschenk“

Wenn Musiklegende Lou Marini (74) mit der „The Original Blues Brothers Band“ die Bühnen dieser Welt betritt, dann reißt es seine Zuhörer immer noch von den Stühlen. Als Saxophonist und Grundungsmitglied der Band besser bekannt als „Blue Lou“ aus dem 1980 mit John Belushi und Dan Aykroyd aufgenommenen Kultfilm „Blues Brothers“, zog Lou die Fans auch auf dem Sommerfestival der Autostadt in seinen Bann. Bevor es auf die Bühne ging, sprach Lou mit AUTO STADT & LEBEN.

TEXT: LAURIN PASCHEK
FOTOGRAFIE: MATTHIAS HASLAUER

„Es spielt keine Rolle, ob man ein großer Star wird. Was wirklich wichtig ist, das ist Leidenschaft zu entfalten.“

LOU MARINI

Viele Menschen besuchen die Autostadt, um ihr neues Auto abzuholen. Wann hast Du Dein erstes eigenes Auto in Empfang genommen?

LOU MARINI Das muss im Jahre 1964 gewesen sein. Damals studierte ich an einer berühmten Jazz-Schule in einer Stadt namens Denton. Das liegt in Texas und ist 45 Autominuten von Dallas entfernt. Ich jobbte an sechs Abenden pro Woche in einem Club in Dallas und war jede Nacht auf meine Mitbewohner angewiesen, dass sie mich mitnahmen. Manchmal klappte das prompt, aber manchmal musste ich auch eine Stunde oder länger auf sie warten. Da entschied ich mich dazu, ein Auto zu kaufen.

Auf welche Marke fiel Deine Wahl?

LM Es war tatsächlich ein deutsches Auto: Ein gebrauchter, hellblauer Mercedes-Benz, 1958er Baujahr. Der Wagen hatte eine kuriose Kupplung mit Magnetventil. Der Wählhebel war nicht auf dem Boden, sondern am Lenkrad angebracht. Und wenn man den Wählhebel bewegte, betätigte das die magnetische Kupplung. Wir haben es aber nie geschafft, das richtig einzustellen. Vor allem im ersten Gang und im Rückwärtsgang ruckelte das Auto wie verrückt.

Klingt nicht gerade komfortabel.

LM Es entwickelte sich zum Dauerwitz. Seinerzeit war im amerikanischen Fernsehen die Batman-Serie sehr beliebt. Wenn ich meine Mitbewohner nach Dallas mitnahm, in den ersten Gang oder in den Rückwärtsgang schaltete und wir mal wieder ordentlich durchgerüttelt wurden, riefen sie in Anspielung auf die Serie: „Holy Whiplash, Batman!“ – was so viel heißt wie „Heiliges Schleudertrauma, Batman!“.

Irgendwann musstest Du also das Auto wechseln.

LM Ich hatte später auch zwei Volkswagen, darunter einen sehr schönen, kleinen gelben Kombi. Der Mercedes-Benz war also nicht mein einziges deutsches Auto. Schon als Kind war ich ein Autonarr und las viele Automagazine. Ich interessierte mich für die Formel 1 und ihre berühmten Rennfahrer. Und weil ich italienischer Abstammung bin, faszinierten mich auch die Wagen von Alfa Romeo. Noch heute fahre ich mit einem 1986er Alfa Romeo Spider Cabrio in New York herum.

Orte wie die Autostadt wollen das Thema Automobil und Mobilität erlebbar machen. Wie wirken solche Orte auf Dich?

LM Die ganze Band ist fasziniert. In den Vereinigten Staaten gibt es nichts Vergleichbares. Wenn Eltern mit ihren Kindern hier ihr Auto abholen und die großen Glastürme erblicken, dann muss das ein fantastisches Gefühl sein. Das ganze Gelände ist großartig. Ich finde, Detroit hätte so etwas gebraucht, als die amerikanische Automobilindustrie auf ihrem Zenit stand. Jetzt ist diese Fazination in Amerika etwas verloren gegangen.

Die Blues Brothers Band ist viel unterwegs. Wie läuft eine Tour bei Euch ab?

LOU MARINI Das ist schon kurios. Manchmal landen wir in einer Absteige, andere Nächte verbringen wir in den besten Luxushotels wie hier im Ritz-Carlton. Was uns aber am Wichtigsten ist: Wir haben viel Spaß miteinander. Bei uns gibt es keine Querulanten wie in vielen anderen Bands. Aber die Tour ist auch anstrengend. Wir sagen immer, dass wir nicht für die Musik auf der Bühne bezahlt werden, sondern für all den Aufwand, der darum herum entsteht. Gestern sind wie um 3 Uhr morgens in Rom aufgestanden und um 4 Uhr aufgebrochen. Dann sind wir nach München geflogen und von dort aus weiter nach Hannover. Und die ganze Zeit gab es kein Bier!

In welchem Verhältnis stehen Deiner Meinung nach Musik und Autos zueinander?

LM Erfolgreiche Musiker tragen ohne Ausnahme eine Leidenschaft über das, was sie tun, in sich. Das ist der Grund, warum sie an die Spitze kommen. Ihre Leidenschaft bringt sie dazu, Tausende und Tausende Stunden zu üben, um immer besser zu werden. Ich war gerade im ZeitHaus und habe all die alten und neuen Autos gesehen. Ich glaube, dass auch die Designer und Entwickler dieser Autos diese Leidenschaft haben. Sie hätten das nicht erreicht, wenn sie nicht Tausende und Tausende Stunden darüber nachgedacht hätten, wie sie ein Problem lösen können und was die Zukunft bringen wird. Ein gutes Beispiel dafür ist der futuristische Minibus, den ich im Erdgeschoss gesehen habe.

Den rein elektrischen ID. Buzz als Studie.

LM Ich wünsche mir, dass auch die Kinder und Jugendlichen in der Schule noch viel mehr ermutigt werden, diese Leidenschaft zu entfalten. Wenn ich mit jungen Musikern rede, dann versuche ich ihnen zu sagen: Es spielt keine Rolle, ob Du eines Tages ein großer Star wirst. Was wirklich wichtig ist, das ist den Wert des Übens zu erkennen. Wer jeden Tag auch nur für eine halbe Stunde sein Instrument übt, der wird besser.

Was bedeutet es Dir persönlich, noch immer auf der Bühne zu stehen?

LM Es ist ein Geschenk. Ich bin jetzt 74 Jahre alt und fühle mich in bester Form. Aber das ist keine Selbstverständlichkeit. Besonders weiß ich zu schätzen, dass wir auch vor einem kleineren Publikum spielen können und nicht gleich vor 20.000 Leuten. Das ist eine andere Qualität. Wir reisen dadurch viel herum und lernen viele spannende Orte kennen. Vor einiger Zeit sprach mich eine ältere schottische Dame in London nach einem Konzert an und sagte: „Unterschätze nie die Bedeutung dessen, was Du tust.“ Das war ein wundervoller Satz. Und es stimmt: Wir Musiker verbringen unser Leben mit dem Ziel, Menschen auf einem Konzert für eine Stunde oder für 90 Minuten glücklich zu machen. Und das ist wichtig.

Wenn Du hier in der Autostadt eine Testfahrt machen könntest, welches Auto würdest Du wählen?

LM Ich bin schon so viele Autos gefahren... (denkt nach). Ich bin noch nie einen Lamborghini gefahren. Einen schönen kleinen Sportwagen. Das wäre ein Spaß! Aber jetzt muss ich auf die Bühne.

Danke für das Gespräch, Lou – und jetzt viel Erfolg bei der Show!

Weitere Stories

Innovation Kulinarik Menschen Mobilität

Ergebnisoffen

Das Eiscafé Cool & Creamy ist zum Transformationslabor geworden – den Anfang machen Stickstoffeis und Cargobikes

Gesellschaft Kulinarik Menschen

Mehr Wertschätzung

Viele Privathaushalte wollen weniger Lebensmittel wegwerfen – auch die Restaurants der Autostadt gehen neue Wege

Kultur Menschen Mobilität

Bilder eines Sommers

Das Sommerfestival der Autostadt feiert viele Stars und die New Mobility – das Movimentos Tanzfestival ist erstmals in Hafen 1 zu sehen

Menschen Mobilität Modelle Technik

Die Welt auf zwei Rädern

Interview und Film: Autostadt-Geschäftsführer Roland Clement testet den SicherheitsParcours mit Ducati-Trainer Peter Gülpen

Menschen Mobilität Modelle Technik

Ein Gefühl der Freiheit

Wie sicher ist Motorradfahren heute geworden? Interview mit Marco Biondi, dem Deutschland-Chef von Ducati

Gesellschaft Kultur Menschen

X,Y,Z

Ein Buchstabe steht in der Soziologie für eine ganze Generation. Doch was steckt hinter X, Y und Z?

Kultur Menschen

Aufbruch zu neuen Sphären

Die Sao Paolo Dance Company will unsere Sehgewohnheiten verändern. Ein Probenbesuch

Gesellschaft Innovation Menschen Mobilität

2050 ist nicht weit weg

Ralf Pfitzner, Leiter Nachhaltigkeit des Volkswagen Konzerns, erläutert im Video-Interview, warum Klimaschutz wichtig ist

Gesellschaft Innovation Menschen Mobilität

Offen sein für alles

ŠKODA-Chefdesigner Oliver Stefani erklärt im Interview, wie gutes Autodesign und Neugier zusammenhängen

Kultur Gesellschaft Mobilität Modelle

Langzeitwirkung

Manchmal wird die Werbung selbst zum Klassiker – etwa der Spot mit dem Audi quattro auf der Ski-Sprungschanze

Innovation Mobilität Technik

Auf den Punkt

Mit einer Live HD-Karte legt das Gemeinschaftsunternehmen HERE die Basis für Echtzeit-Assistenzsysteme und autonomes Fahren

Gesellschaft Kultur Menschen

In Bewegung bleiben

Monatelang üben sie, dann der große Auftritt: Die Tanzklasse ist fester Bestandteil von Movimentos

Gesellschaft Kultur Menschen

Kern der Mobilität

Für Bernd Kauffmann, Künstlerischer Leiter der Movimentos Festwochen, übernimmt der Tanz eine wichtige Funktion

Gesellschaft Innovation Mobilität Technik

Warum ist Veränderung wichtig?

Fünf Gedanken von MOIA-Chef Ole Harms zu der Frage, wie sich unsere Mobilität verändern wird

Kultur Menschen Technik

Gestalten und erhalten

Die Lagunenlandschaft der Autostadt ist zwar künstlich angelegt, setzt aber auf Natur – und wandelt sich im Laufe der Jahreszeiten

Gesellschaft Kultur Menschen

Alles hängt von unseren Entscheidungen ab

Die Welt verändern: Friedensnobel-preisträger Muhammad Yunus, Erfinder des Social Business, im Interview

Kultur Menschen Mobilität

Rätselhafter Autor

Lösen Sie die exklusiv von Kult-Rätselautor „CUS“ entwickelte Denksport-Aufgabe über eine Fahrt von Wolfsburg nach Ingolstadt

Innovation Mobilität Technik

Abgeben

Elektronische Assistenten sorgen für mehr Komfort und Sicherheit beim Fahren


Innovation Menschen Technik

Da die Maschinen, hier der Mensch

Patrick van der Smagt vom Volkswagen Data:Lab München über den Nutzen Künstlicher Intelligenz

Kultur Technik

Nachtblüte

Nach Einbruch der Dunkelheit blüht die Autostadt in neuen Farben

Gesellschaft Menschen

Umbauzeit

Die fünf beliebtesten Teenie-Sprüche – und was dahintersteckt