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Schau mir in die Augen!

Nicht nur in Lebewesen, sondern auch in Gegenständen meinen wir, Gesichter zu erkennen. So auch bei Fahrzeugen: Deren Gesichter unterstreichen nicht nur die Zugehörigkeit zu einer Marke, sondern erzählen auch etwas über das Auto selbst. Eine Bilderreise.

Text: Jens Meiners
Fotografie: Henrik Heutgens

Fahrzeuggesichter unterstreichen nicht nur die Zugehörigkeit zu einer Marke, sondern erzählen auch etwas darüber, welche Funktion das Auto besitzt. Handelt es sich um einen sachlichen Kompaktwagen, eine statusbetonte Limousine oder um einen windschnittigen Sportwagen? Wie steht es um die Geländegängigkeit?

Zugleich sind automobile Gesichter auch Ausdruck ihrer Ära und Epoche. Die verspielten, von Amerika inspirierten 1950er Jahre finden sich im Autodesign ebenso wieder wie die Sechziger, in denen Europa einen nüchterneren Stil findet. Bis in die 1980er Jahre hinein werden die sachlichen Formen weiter verfeinert, bis in der darauffolgenden Dekade mit Bio- und Retro-Design wieder Emotionalität aufkommt.

Das ZeitHaus der Autostadt besitzt einige der interessantesten Modelle, an denen sich Zeitgeschmack und Designphilosophien ablesen lassen – und die bei Betrachtern oft eine unmittelbare Reaktion auslösen. Sehen Sie in der Bildergalerie einige Beispiele. Drei Modelle – der Lancia Lambda von 1924, der Volkswagen T1 als Sinalco-Bus und die Chevrolet Corvette C1 – sind in der Ausstellung zu sehen, die anderen Fahrzeuge befinden sich im Bestand des ZeitHauses.

Lancia Lambda
Der Lancia Lambda von 1924 ist in kühler Strenge gezeichnet, seine Frontpartie ist ohne jede Ornamentik perfekt proportioniert. Sein Gesicht vermittelt Ernsthaftigkeit, mit langer Haube und großem Kühler auch viel Kraft. Das Autodesign erreicht hier einen ersten Höhepunkt: Frühere Modelle waren häufig noch vom Kutschenbau geprägt, und selbst in den 1930er Jahren sind viele Autos noch mit Ornamenten überladen. „Eine sehr schön komponierte Symphonie aus Kühler und Schweinwerfern“, urteilt Design-Dozent Gernot Bracht von der Hochschule Pforzheim über den Lancia Lambda.
Volkswagen T1 als Sinalco Bus
Die bunte Bemalung des Volkswagen T1 mit den Farben der Limonadenmarke Sinalco unterstreicht das charakteristische Gesicht des legendären Bulli. Wie eine Adlernase senkt sich die in V-Form zur vorderen Stoßstange abfallende Gürtellinie – eine so geniale wie elegante Lösung, die sich vom ästhetisch oft wenig ansprechenden Konkurrenzumfeld abhebt. Interpretiert man den T1 seiner Zeit vorwiegend unter praktischen Aspekten, so prägen heute Erzählungen aus Kalifornien das Image: Als "Lovebus" bedient er reichlich die Klischees der Hippie-Ära.
Tempo Matador (Transporter)
Freundlich schaut er eigentlich nicht drein, der Tempo Matador. In den 1950er Jahren dürfte er schon aufgrund seiner durchaus stattlichen Abmessungen eindrucksvoll gewirkt haben. Die Form dieses Transporters ist weitgehend von der Funktion diktiert, die horizontalen Chromstreifen sollen den wachsenden Wohlstand seiner Ära dokumentieren. An die Frontpartie einer schweren Diesellok erinnert die geteilte Windschutzscheibe. Heute relativiert sich das Auftreten des Tempo Matador: Mancher Betrachter fühlt sich an eine Bulldogge erinnert.
Chevrolet Corvette C1
Das Haifischmaul der ersten Corvette-Generation präsentiert sich mit messerscharfen Zähnen im aggressiv gezeichneten Kühlergrill. Dahinter sitzt ein bärenstarker 3,9-Liter-Reihensechszylinder-Motor, der bald noch stärkeren V8-Motoren Platz machen wird. Die vergitterten Scheinwerfer erinnern an den Rennsport, die Frontscheibe ist wie bei einem Schnellboot um die Ecke gezogen. Designexperte Gernot Bracht von der Hochschule Pforzheim erblickt in der Corvette ein Gangster-Gesicht. Die Botschaft ist klar: Wer diese Frontpartie im Rückspiegel sieht, der möge die linke Spur freimachen.
Renault 4CV
Das kompakte „Crèmeschnittchen“, so sein zeitgenössischer Spitzname, wirkt nochmals deutlich kompakter als sein deutscher Gegenspieler, der Volkswagen Käfer. Mit vorspringender Haube, skulpturalen Kotflügeln und Chromverzierungen tritt der 4CV durchaus elegant auf, die gedrungenen Proportionen nehmen ihm allerdings jeglichen Dominanzanspruch. Volkswagen Käfer oder Citroën 2CV sind großzügiger und charakteristischer gezeichnet, die Ästhetik des 4CV verharrt in Vorkriegsschemata. Sein Nachfolger, der R4, tritt viel sachlicher auf.
Lamborghini Miura
Er hat ein kaltes, mitleidloses Gesicht, der Lamborghini Miura, mit humanoiden Zügen: Bis auf die letzten Baujahre sind die runden Klappscheinwerfer von vertikalen Riffeln flankiert, die den Beobachter an Wimpern erinnern. Heute wirkt der Miura mit seinen rundlichen, muskulösen Formen durchaus elegant, doch bei seinem Debüt im Herbst 1965 war seine Form von ungeheurer Radikalität: Das vom Rennsport inspirierte Mittelmotor-Konzept sorgte im Vergleich zum klassischen Sportwagenlayout mit Frontmotor für völlig neuartige Proportionen.
VW-Porsche 914 (europäische Ausführung)
Gegen Ende der 1960er Jahre beginnen sich Sportwagen mit Klappscheinwerfern durchzusetzen. Die „Schlafaugen“ erlauben es, die Frontpartien anzuspitzen und aerodynamischer zu gestalten. Dies gilt auch für den VW-Porsche 914 – ein lange Zeit unterschätztes Auto mit erheblichen fahrdynamischen Qualitäten. Mit ausgefahrenen Klappscheinwerfern wirkt der VW-Porsche 914 jedenfalls hellwach. Die runden Augen sorgen im Rückspiegel für erhebliches Überholprestige und die vertikal angeordneten, ovalen Begrenzungsleuchten verleihen dem 914 auch bei versenkten Scheinwerfern ein Gesicht.
Volkswagen (Käfer) GSR
Mehr als 80 Jahre ist der Käfer alt. Bei seinem Debüt gilt seine Stromlinienform als äußerst modern. Der Heckmotor erlaubt eine geschlossene Frontpartie, mit seinen runden Augen und großzügigem Dachaufbau ruft er unmittelbar Beschützerinstinkte hervor. Das gilt auch für das Sondermodell GSR von 1973. Die Modellbezeichnung dieses Käfers mit wespenfarbiger Kriegsbemalung steht für „Gelb-Schwarzer Renner“ – und dokumentiert damit den Humor der Wolfsburger Vertriebsabteilung. In den 1970er Jahren mutiert der Käfer endgültig vom neutralen Massenauto zum bewussten Statement einer Generation.

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