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Ole Harms

Warum ist Veränderung
wichtig?

Für den MOIA-Chef Ole Harms ist Veränderungsbereitschaft ein großer Wert. Doch er weiß auch: Appelle alleine reichen nicht, um das Mobilitätsverhalten der Menschen zu verändern. Stattdessen setzt er auf Emotionen und Vielfalt.

Text: André Bosse
Fotografie: Michael Neuhaus

5 Fragen an Ole Harms

01

Der Verkehr wandelt sich nur sehr langsam. Woran liegt das?

Technologie ist nur ein Baustein für Veränderungen. Nicht alles, was technisch möglich ist, wird von den Menschen auch angenommen. Insbesondere dann, wenn Verhaltensänderungen gefragt sind. Wer 20 Jahre lang alleine mit dem Auto zur Arbeit gefahren ist, der wird nicht damit aufhören, nur weil wir fordern, der Verkehr müsse effizienter werden. Es ist Aufgabe der Anbieter, den Menschen das Neue so zu erklären, dass sie erkennen: Erstens ist es für sie selbst attraktiv und zweitens entsteht durch ihr verändertes Verhalten ein gesellschaftlicher Impact, der allen zugutekommen wird.

02

Verhält sich der mobile Mensch eigentlich logisch?

Er entscheidet sich auf Grundlage einer persönlichen Sachlogik: Für diese Fahrt nimmt er die Bahn, für jene das Auto – und weil das Wetter morgen besser werden wird, plant er für den nächsten Tag, sich ein Rad zu leihen. Jede dieser Entscheidungen wird bewusst getroffen. Man darf jedoch Logik nicht mit Rationalität verwechseln. Würde der Mensch seine Mobilität rational organisieren, dann würde er ein Budget erstellen und dieses nach strenger Kosten-Nutzen-Rechnung auf die Angebote verteilen. Doch Mobilität hat auch mit dem Gefühl von Freiheit zu tun, weshalb bei den Entscheidungen die Emotionen eine große Bedeutung haben. Es ist wichtig, dass diese Freiheit auch im Mobilitätsmix der Zukunft erhalten bleibt.

03

Und doch stauen sich weiterhin die Autos, weil viele Pendler auf dem Weg zur Arbeit alleine im Auto sitzen, statt sich eines zu teilen.

Ist es nicht so, dass diesen Menschen weiterhin eine sinnvolle Alternative fehlt? Diese wollen wir bieten. Wenn Sie zum Beispiel vor allem deshalb mit dem eigenen Auto zur Arbeit fahren, weil Sie Angst haben, ansonsten nach einem längeren Meeting nicht mehr pünktlich nach Hause zu kommen und dadurch Ihr Training zu verpassen, dann machen wir Ihnen das Angebot des Ridesharing. Neue Optionen sind die Antreiber jeder positiven Veränderung. Es ist für Menschen immer angenehmer, sich für etwas Neues zu entscheiden, statt den Wandel vorgesetzt zu bekommen.

„Mobilität hat mit dem Gefühl von Freiheit zu tun. Es ist wichtig, dass diese Freiheit auch im Mobilitätsmix der Zukunft erhalten bleibt.“

Ole Harms

04

Sind Algorithmen im Zeitalter der Digitalisierung der stärkste Motor für Veränderungen?

Sie sind zumindest ein wesentlicher technischer Hebel, um Wandel zu beschleunigen. Algorithmen helfen uns dabei, Muster zu erkennen, auf deren Basis wir Services entwickeln und adressieren können. So existiert das Vorurteil, dass man auf Fahrten, die man sich mit anderen teilt, Zeit verliert, weil Umwege genommen werden. Unsere Algorithmen helfen uns dabei, das zu widerlegen: Mit Hilfe von Echtzeitdaten errechnen wir eine Route mit optimaler Effizienz. Man ist schnell da, wo man hinwill, und spart Geld, weil man sich die Fahrt geteilt hat. Schöner Nebeneffekt für alle: Statt vier oder fünf Wagen war nur einer unterwegs.

05

Wie wichtig ist Veränderung Ihnen persönlich?

Ich bin eigentlich nie mit dem Status Quo zufrieden. Wäre das so, dann würde ich mir ja selbst bei der Weiterentwicklung im Weg stehen. Ich empfinde Veränderungen nicht als belastend, unsere Mitarbeiter auch nicht. Man kann Änderungswillige übrigens ermuntern, indem man ihnen Zeit gibt. Indem man das hohe Tempo drosselt und damit Raum schafft, um die Veränderungen zu erklären. Das ist unabdingbar, denn nur so wird Wandel nachhaltig. Ansonsten hat man zwar eine gute Idee, sie scheitert aber dann doch.

Ole Harms (44) wechselte 2008 zu Volkswagen, übernahm 2012 den Bereich für neue Geschäftsmodelle, leitete Kooperationen mit anderen Mobilitätsanbietern ein und entwickelte für den Konzern neue Geschäftsideen. MOIA ist eine davon: Das Volkswagen Tochterunternehmen wurde 2016 gegründet und wird seitdem von Ole Harms geleitet.

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