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Marlen Liebau und Marc Lingk

Sonnengesänge

Nach der Winterpause ist die Klanginstallation "Sonnengesänge" seit dem 2. April wieder in der Parklandschaft der Autostadt zugänglich. Die optisch-akustische Installation von Marlen Liebau und Marc Lingk speist sich aus Sonnenenergie.

Planetenähnliche Bälle aus Plexiglas

An drei Stellen innerhalb der Lagunenlandschaft der Autostadt befinden sich Arrangements aus planetenähnlichen Bällen aus Plexiglas. Es sind jeweils neun, zehn und elf Kugeln, die in ihrem Inneren Solarzellen und elektronische Klangeinheiten tragen. Einfallendes Sonnenlicht lässt sie in den Spektralfarben leuchten und erzeugt zugleich Energie, die die einzelnen Kugeln zum Klingen bringt. Eine von Marc Lingk entwickelte Komposition zu Franz von Assisis Sonnengesang ertönt in verschiedenen Variationen, worin der Musiker auch Auszüge aus dem Originaltext des in altitalienisch verfassten Poems zitiert. Mit der solaren Klanginstallation „Sonnengesänge“ bringt die bildende Künstlerin Marlen Liebau somit modernste Technik, Kunst und den Lobpreis zur Schöpfung in Einklang.

Individuelle Kompositionen und Klänge

Zu jeder Kugel gehört eine eigene Komposition und ein eigener Klang. Sie symbolisieren das Leben, das durch die wärmende Sonne ermöglicht wird. Je nach Lichteinfall verändern sich die Klänge in Lautstärke und Modulation – bis zum Sonnenuntergang. Mit Einbruch der Dunkelheit verstummen die Töne, um mit dem Aufgang der Sonne am nächsten Tag wieder anzuschwellen: ein Bild für die Hoffnung, die mit jedem neuen Tag verbunden ist.

Die Installation wurde zunächst in der Ruine der Franziskanerklosterkirche in Berlin errichtet. Die in der Autostadt gezeigten Arrangements sind Teil der von Adrienne Goehler kuratierten Ausstellung „Zur Nachahmung empfohlen – Expeditionen in Ästhetik und Nachhaltigkeit“, die nach der Premiere in Berlin nun über drei Jahre an wechselnden Orten im In- und Ausland gezeigt wird. Innerhalb der Ausstellung ist ein Arrangement aus acht Kugeln zu sehen, das nach Ende der Tournee Teil der künstlerischen Inszenierung der Autostadt wird und die „Sonnengesänge“ ergänzt.

In Erinnerung an Franz von Assisi

Die optisch-akustischen Raumbilder, die Marlen Liebau für drei spezifische Orte der Lagunenlandschaft entwickelt hat, erinnern an den Begründer des Franziskaner Ordens. Seit fast 800 Jahren steht der Heilige für die Achtung der Umwelt und den Einklang des Menschen mit der Natur. In seinem Hymnus „Sonnengesang“ huldigt Franz von Assisi der Schöpfung und vor allem der Sonne als Energie spendenden Antrieb allen Lebens: „Gelobet seist du, mein Herr, für alle deine Geschöpfe, und besonders für unseren ehrenvollen Bruder Sonne, der es Tag werden lässt und uns erleuchtet durch Ihr Licht. Schön ist sie und strahlend und groß ist ihr Glanz und auf dich, Herr, weist sie hin.“

Der Einklang von Mensch und Umwelt 

„Die Thematik vom Einklang des Menschen mit der Umwelt ist hochaktuell“, sagt Dr. Maria Schneider, Kreativdirektorin der Autostadt. „In der Installation von Marlen Liebau verbinden sich in außergewöhnlicher Weise modernste Technik, Kunst und die Ansätze des Franz von Assisi. Durch verschiedene Klänge und Lichtspiele inspiriert das besondere Zusammenspiel der Themen Wissenschaft, Kunst und Religion den Betrachter sowohl auf optischem als auch auf akustischem Wege.“

Weitere Informationen
 

Die Künstler

Marlen Liebau, geboren 1951, wuchs in Thüringen auf und lebt und arbeitet als bildende Künstlerin in Berlin. In ihren Arbeiten widmet sie sich vor allem energetischen Fragestellungen, in denen sie ihre Kunst mit aktuellen Grundproblematiken der Gegenwart verbindet. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema beginnt Anfang der 90er Jahre mit und in Braunkohle Tagebauten, setzt sich mit Arbeiten im Ruhrgebiet fort und schlägt letztlich einen Bogen zur ästhetischen Einbindung von Formen alternativer Energiegewinnung in künstlerische Gestaltungen. Energie wird in den Inszenierungen und Installationen von Marlen Liebau zum Gegenstand von Kunst. Dabei verfolgt sie einen orts- und umfeldbezogenen Ansatz.

Marc Lingk, geboren 1964 in Berlin, gilt als Grenzgänger zwischen Musik, Kunst, Physik, Technik und Philosophie. Der Musiker, Komponist und Sofwareentwickler arbeitete mit Maren Liebau bereits bei mehreren Projekten zusammen, darunter die solare Installation auf der Wiese vor dem Reichstag „Blaue Welten“ (1994).

 
 

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