Ingo Günther

"World Processor - Globenfeld"

Betreten Sie die Piazza der Autostadt, fällt Ihnen sofort Ingo Günthers Arbeit „Exosphere“ ins Auge. Unterhalb dieses riesigen Globus befindet sich noch ein weiteres Werk des deutschen Künstlers: „World Processor – Globenfeld“.

Das Werk besteht aus etwa 80 Globen, die an Aluminiumstäben befestigt sind und jeweils von Motoren angetrieben werden. Eine gläserne Bodenplatte macht die Installation zum begehbaren Kunstwerk.

Seit 1989 benutzt Ingo Günther als Motiv seiner künstlerischen Arbeit den Globus. Bis heute hat der Künstler eine Vielzahl von Globen produziert, die den Zustand der Erde mit Daten du Fakten beleuchten. Die Arbeit „World Processor – Globenfeld“ beschreibt die unterschiedlichsten Probleme der globalen Gesellschaft aus politischer, sozialer, finanzieller, militärischer, technologischer und ökologischer Sicht.

Jeder einzelne Globus ist einem bestimmten Thema gewidmet und basiert auf Daten, die der Künstler bei Organisationen wie der UNO, der OECD, bei Greenpeace, in journalistischen Archiven, statistischen Jahrbüchern oder in Internet-Datenbanken recherchiert hat. Ingo Günther analysiert diese Informationen und macht sie dann in ihrer globalen Dimension bildlich sichtbar.

„World Processor – Globenfeld“ ist ein Kunstwerk, das stetig verändert und weiterentwickelt wird. Globen werden an Hand neuen Datenmaterials aktualisiert, neue Themen kommen hinzu wieder andere werden ausgetauscht.

Der Künstler selbst bezeichnet seine Globen als „künstlerische Navigationshilfen beim intellektuellen und emotionalen Erfassen unserer Welt“.

Der Künstler

Ingo Günther wurde 1957 in der Nähe von Hannover geboren und wuchs in Dortmund auf. Er studierte Ethnologie und Kulturanthropologie in Frankfurt am Main. Während der siebziger Jahre bereiste er Nordafrika, Asien, Nord- und Zentralamerika.

1978 schloss Günther ein Studium an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf an und wurde 1983 Meisterschüler von Nam June Paik. Im selben Jahr erhielt er das New York Stipendium der Kunstakademie Düsseldorf am P.S.1. Es folgten Stipendien des DAAD sowie des Kunstfonds.

Bereits zu Beginn der 80er Jahre nahm Ingo Günther an renommierten Ausstellungen teil und fand schon mit seinen ersten Videobändern und -installationen Beachtung. In diesen Arbeiten beschäftigt sich der Künstler mit Themen wie Bewegung, Schnelligkeit und Informationsüberfluss.

1984 begann Günther, unter dem Label „Ocean Earth“ Satellitendaten ziviler Aufklärungs- und Überwachungssatelliten zu erwerben. Er bearbeitete und interpretierte diese Bilder und verkaufte sie an die Medien. Das Ziel des Künstlers war es, für die Bevölkerung unzugängliche militärische sowie ökologische Informationen an die Öffentlichkeit zu bringen und damit ein Instrumentarium für mehr Transparenz zu schaffen. Die Teilnahme an der documenta 8 in Kassel im Jahr 1987 brachte Ingo Günther von seinen rein journalistischen Recherchen zurück in die Welt der Kunst.

1990 gründete er in Leipzig den „Kanal X“, um einen Beitrag zur Etablierung einer freien Medienlandschaft zu leisten.

Zahlreiche Reisen durch die Flüchtlingslager der Welt wurden zur Grundlage für sein Konzept der „Refugee Republic“.

Lehraufträge erhielt er an den Kunstakademien Braunschweig (1985), Münster (1986/87) und am San Francisco Art Institute. Von 1990 bis 1994 war er zudem Professor an der Kunsthochschule für Medien in Köln.

Ingo Günther lebt und arbeitet in New York.

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